Aviäres Bornavirus (PDD)

 

Bis heute bereitet die Infektion mit dem Bornavirus der Tiermedizin noch grosse Probleme. Obwohl alle Papageien und fast alle Sittiche betroffen sind. Wellensittiche scheinen eine grosse Ausnahme zu sein. Das Heimtückische an dieser Krankheit ist, dass sie zwar in Beständen weit verbreitet ist, jedoch erkranken nicht mehrere Vögel eines Bestandes gleichzeitig. Die Krankheit kann über Jahre hinweg unerkannt bleiben und breitet sich aber im ganzen Bestand aus. Für den Ausbruch können Stress durch falsche Ernährung und Haltung der Grund sein.

 

Symptome: Ist die Krankheit im Endstadium kann beim Vogelpatient beobachtet werden, dass er dauernd am Fressen ist, dabei aber immer mehr abmagert. Im Kot finden sich unverdaute Körner. Auch totale Futterverweigerung kann auftreten. Durchfall und Erbrechen stehen im Vordergrund bei dieser Krankheit. Oft kommen dann noch neurologische Störungen wie Zittern oder Koordinationsstörungen dazu. Diese Symptome machen es dem Tierarzt schwer, diese Krankheit von anderen zu unterscheiden.

 

Es gibt drei Verlaufsformen bei PDD: die Akute, die Verzögerte und die Asymptomatische.

 

Der akute Krankheitsverlauf tritt nach einer Inkubationszeit von ca. 1-4 Wochen auf. Zentralnervöse und/oder den Verdauungskanal (gastrointestinale) betreffende Symptome. Die Vögel fressen extrem viel und haben Körner im Kot oder aber sie verweigern komplett die Futteraufnahme. Die zentralnervösen Störungen, welche anfangs nur ein leichtes Zittern ist, werden stärker und steigern bis hin zu krampfähnlichen Anfällen. Diese Verlaufsform führt fast immer zum Tod.

 

Der verzögerte Krankheitsverlauf hat überwiegend gastrointestinale Veränderungen. Die Inkubationszeit dauert ca. drei Monate. Auch hier frisst der Vogel immer mehr, hat unverdaute Körner im Kot und magert immer mehr ab. Leider bemerkt man die Abmagerung meist erst sehr spät. Der Brustmuskel ist durch das Gefieder abgedeckt und nur durch Abtasten merkt man, wie er bei einer Abmagerung heraussteht. Deshalb kann ein regelmässiges Wiegen sehr von Vorteil sein. Auch hier können das Zittern und zentralnervöse Störungen beobachtet werden. Bemerkt der Halter die Veränderung am Vogel frühzeitig, kann er durch den Tierarzt oft gerettet werden.

 

Beim asymptomatischen Krankheitsverlauf scheinen betroffene Vögel völlig unauffällig. Den Erreger können sie aber trotzdem ausscheiden und zwar über den Kot und das Schnabelsekret. Somit können andere Vögel infiziert werden. Ein Krankheitsausbruch kann es, durch extreme Stresssituationen, auch noch nach Jahren geben.

 

Beim Virentest sollte eine Tupferprobe aus dem Kropf oder der Kloake genommen werden und eine Blutprobe entnommen werden. Leider kann es auch hier zu falschen Ergebnissen kommen, da nicht alle Untergruppen des Virus erfasst sind. Auch der bevorzugte Aufenthaltsort der Viren – das versorgende Nervensystem der  Verdauungsorgane – ist nicht immer dieser Ort. Das Virus kann sich auch in Organen wie dem Gehirn, der Nebenniere oder dem Drüsenmagen befinden. Deshalb sollte man auch immer eine röntgenologische Untersuchung machen.  Ein Drüsenmagen ist zum Beispiel erweitert, wenn es sich um PDD handelt. Gleichzeitig kann der Tierarzt andere Organe wie Leber, Niere, Lunge, Luftsäcke und das Skelettsystem beurteilen. Auch Gewebeproben können entnommen werden, jedoch sind auch diese Untersuchungen nicht absolut zuverlässig. Und für den Vogel bedeutet es viel mehr Stress.

 

Die Behandlung eines erkrankten Vogels:

 

  • ·       Um eine weitere Ansteckungsgefahr zu dezimieren wäre es von Vorteil, den Virusträger separat unterzubringen. (Ich selber würde ihn mit seinem Partner/in unterbringen. Sonst hat er noch mehr Stress).
  • ·       Die Ernährung muss angepasst werden. Das Futter sollte leicht verdaulich sein (Kochfutter, Pellets), am Anfang wäre auch eine Sonderernährung mit hoch verdaulichem Futterbrei zu empfehlen.
  • ·       Das Immunsystem muss mit Medikamenten gestärkt werden. Die Stressfaktoren müssen beseitigt werden. Eine optimale Haltung ist anzustreben.
  • ·       Das Nervengewebe, welches durch den Erreger beschädigt wurde, sollte auch mit Medikamenten (Entzündungshemmer) behandelt werden.

 

Um eine weitere Verbreitung dieser Krankheit vorzubeugen sollte die bestehende Voliere gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Der Erreger ist in der Umwelt relativ instabil und deshalb leicht bekämpfbar.

 

Kontakttiere infizierter Vögel sollten auch auf das Virus untersucht werden. Der ganze Bestand sollte weiterhin gut beobachtet werden: wie ist das Gewicht, das Fressverhalten und enthält der Kot unverdaute Körner? Beim Restbestand sollte auch die ganze Haltung überdacht werden (Stress, Hygiene, Volierengrösse etc.). Die Ernährung sollte Vitamin- und Mineralstoffreicher sein, damit das Immunsystem weiterhin gestärkt wird.

 

Neu zugekaufte Vögel sollten mindestens drei Monate in Quarantäne gehalten werden.

 

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